Einführung in die Konjunktur- und Wachstumspolitik

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Konjunktur und Wachstumspolitik

Konjunkturpolitik und Wachstumspolitik sind zwei Aspekte der Stabilisierungspolitik in der Wirtschaftspolitik. Die Konjunkturpolitik ist kurzfristig ausgerichtet und verwendet primär Instrumente der Prozesspolitik, während die Wachstumspolitik auf die langfristige Verbesserung von Produktionsmöglichkeiten abzielt. Der Konjunkturverlauf wird in der Wirtschaftswissenschaft stets als Zyklus beschrieben und lässt sich in vier aufeinanderfolgende Phasen einteilen. In einer ersten Phase der Konjunktur erfährt die Wirtschaft einen Aufschwung, der von einer Hochkonjunktur gefolgt wird. Sie wird von einer Rezession abgelöst, bei der das Wirtschaftswachstum deutlich zurückgeht und die ökonomischen Bedingungen sich generell verschlechtern. Die vierte Stufe, die Depression, wird laut Volkswirtschaftlern nur selten erreicht. Dies war genau genommen bisher nur in den späten 1920er Jahren der Fall, Schrumpfung der Volkswirtschaften, Stagnation des Welthandels und Massenarbeitslosigkeit waren dabei die Folge.

Langfristig kann eine so tiefe Wirtschaftskrise durch seine Notsituationen und Verteilungsprobleme zu Verteilungskämpfen, dem Aufbrechen nationaler und kultureller Gegensätze und zu Bürgerkriegen aufgrund von Verteilungsproblemen und Engpässen bei den Lebensgrundlagen führen. In der Hochkonjunktur kommt es zur Überauslastung, in der Rezession zur Unterauslastung der Produktionsmöglichkeiten einer Volkswirtschaft. Diese Ungleichgewichte entstehen, wenn die Güternachfrage von Unternehmen, Haushalten, Staat und Ausland höher oder niedriger ausfällt als das Angebot der Produzenten von Gütern. Es kommt dann zu Konjunkturschwankungen, die auch eine Ursache für soziale Ungleichgewichte sind, insbesondere bei längerer Arbeitslosigkeit und Inflation. Bei letzterer verlieren die Sparguthaben an Wert, die Schuldner werden gegenüber den Gläubigern bevorteilt und die Bezieher von nicht an die Bedingungen angepassten Einkommen erleiden Kaufkraftverluste.

Arbeitslosigkeit im Wirtschaftsabschwung führt bei den Bürgern von Staaten zu Einkommensverlusten und ruft schnell Existenzängste vor. Es besteht die Gefahr, dass das Vertrauen in den Staat und die Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung insgesamt abnimmt. Umstritten ist allerdings, ob und mit welchen Instrumenten der Staat das gesamtwirtschaftliche Gleichgewicht wahren und Fehlentwicklungen korrigieren kann. Es ist bis heute ein Streitpunkt in d Wissenschaft und Politik, ob der Staat lieber den Staatshaushalt, also Staatsausgaben und Steuersätze, regulieren sollte oder die Geldpolitik der Zentralbank nutzen sollte.

Noch in den 1970er Jahren gingen viele Wirtschaftspolitiker davon aus, dass es einen dauerhaften Zielkonflikt zwischen den Zielen Vollbeschäftigung und Preisstabilität gebe. Daraus wurde dann abgeleitet, dass die Wirtschaftspolitik Vollbeschäftigung durch die Hinnahme einer höheren Inflationsrate erreichen könne. Heute vertritt die Wirtschaftswissenschaft die These, dass es einen solchen Zielkonflikt zwischen Vollbeschäftigung und Preisstabilität nur kurzfristig gibt. Inflation wird nicht mehr als positiver Antriebsfaktor für die Wirtschaft gesehen und die Erhöhung der Inflationsrate gilt nicht mehr als angemessenes Mittel, um die Beschäftigung zu erhöhen. Langfristig wird stattdessen Preisstabilität als Voraussetzung für Vollbeschäftigung gewertet.

Wirtschaftswachstum hingegen muss in einer marktwirtschaftlichen Ordnung als vorab unbekanntes Ergebnis millionenfacher privater und zusätzlich staatlicher Entscheidungen angesehen werden. Die Wachstumspolitik will in erster Linie die Wachstumsbedingungen langfristig verbessern. Damit werden auch Fragen der Umweltpolitik und des Rohstoffverbrauchs interessant, zur wirtschaftspolitischen Intention der Wachstumsförderung tritt das Ziel der nachhaltigen Entwicklung.

© RainerSturm / pixelio.de

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